Tunesien 2015

Tunesien in der Woche des Anschlags auf das Bardo Museum (18.03.2015).


Urlaub in Tunesien, für viele deutsche und europäische Urlaubsuchende ist Tunesien ein Badeparadies. Sonne, Strand und Meer...

Na ja, in der genannten Maerzwoche waren wettermaeßig diese Attribute mehr als bescheiden. Niedrige Temperaturen, ein unangenehmer Wind und bedeckter Himmel... nichts für empfindliche Touris in dieser Jahreszeit.

Port el Kantaoui, rund 10 km noerdlich von Sousse mit einem in den 70er Jahren erbauten Jachthafen, ein Ferienort mit einer Hotel- und Vergnuegungszone.

Feine Straende (so man sie denn mit dem richtigen Wetter nutzen kann...), komfortable Hotels, Lokale, Boutiquen, Souvenirlaeden und Cafés... ein Kennzeichen dieses geschaffenen Ferienortes...

Am Hafenbecken gibt es Piraten- und Glasbodenboote mit Ausflugsfahrten.

Nach Sousse kommt man mit dem Taxi (8 Dinar, den Preis handelt man vorher aus, um keine ungeliebten Ueberraschungen zu erleben) und am besten mit der Bahn.

Sousse, eine mit einer von wehrhaften Mauern umgebenen Medina auf kleinstem Raum, wie man dies in allen arabischen Laendern findet.

 

Tunesien, das Land er ersten arabischen Revolution 2011 (Jasmin-Revolution). Am 14. Januar 2011 jagte man den korrupten und sich und seine Entourage selbst bereichernden Praesidenten Ben Ali aus dem Land.

Diese Revolution de la Dignite war getragen von aufgeklaerten jungen und arbeitslosen Akademikern, denen dieser Staat keine Zukunft bieten konnte.

Die sozialen Netzwerke wie Twitter und Facebook dienten den Revolutionsträgern als Organisationsinstrument. In den spaeteren Wahlen zur verfassungsgebenden Versammlung gewannen schließlich islamische Kräfte. Die laizistische Verfassung des Landes sollte allerdings nicht angegriffen werden. Eine Re-Islamisierung ist allerdings zu beobachten, mehr Frauen mit Kopftuch in diesem Land, das stolz ist auf die Freiheit, die es ich erkaempft hat.

Habib Bourguiba (1904-2000) führte bereits das Land 1956 aus der Kolonialherrschaft von Frankreich in die Unabhängigkeit.

Der moderne und aufgeklaerte Politiker versaeumte es allerdings, einen vernuenfigen politischen Erben heranzuziehen. Bouguiba wandelte sich mit zunehmenden Alter zu einem despotischen Alleinherrscher. Er ließ seine Untertanen bespitzeln und erstickte die Opposition, bis er von seinem Vize und korrupten Ben Ali 1987 abgesetzt wurde. Heute hat das Land etwa 10,5 Mio. Einwohner. Die Tunesier sind polyglott und aufgeschlossen, ihre Sprachkenntnisse hervorragend.

Die bedingungslose Unterwerfung unter die Tourismusindustrie ist wohl eine Schattenseite in dem in der richtigen Jahreszeit von der Sonne verwoehntem Land. Hotelkomplexe und Yachthaefen, wachsende Muellzonen in den Vorortgebieten... man als Europaeer die Augen davor nicht verschließen.

Auch bringt diese "Touristisierung" eine Veraenderung in den Koepfen vieler Tunesier, die von den Fremden leben. Anstatt traditioneller Zurueckhaltung ersetzen haeufig Zudringlichkeiten und unsaubere Geschaeftspraktiken gegenüber Gaesten die Gepflogenheiten.

Nun ja, man kennt das ja aus anderen arabischen Touristenlaendern.

Der Anschlag mit 23 Toten im Nationalmuseum Brado in Tunis am 18. März 2015 bringt dem Land natuerlich eine Delle in den sich positiv entwickelnden Zahlen der Urlaubsbuchungen. Dieser Anschlag offenbarte die wachsende Gefahr, die von jungen, aus dem Jemen und Irak zurueckkehrenden, IS-Terroristen ausgeht. Viele kommen aus Tunesien, einer Generation, die keine Chance für ein vernuenftiges wirtschaftliches Auskommen erkennt.

 

Das Viersterne Hotel Hasdrubal in Port el Kantaoi ist mit einem Wellness-Center ausgestattet. Thalasso und andere viele Anwendungen sind zusaetzlich buchbar.

Das Hotelpersonal ist freundlich, geschult und immer für die Wuensche der Gäste ansprechbar.

Die Verpflegung ist wie in allen Hotels abgestimmt auf den europaeischen Gaumen und bietet deshalb meist eine eher Gewürz- und reizarme Hotelkost. Salz und Pfeffer sind beim unerlässliche "Zutaten". Einmal in der Woche gibt es einen tunesischen Abend, mit entsprechender Folklore und Arabian Belly Dance.

Die Stimmung war nach dem Anschlag natuerlich entsprechend gedrueckt.

Wild disputierend-gestikulierende Taxifahrer und ein schwer bewaffnetes Aufgebot von Polizeieinheiten an markanten Orten und den Einfallsstraßen der Staedte kennzeichneten diese Woche.

Monastir, ein weiterer Ort mit einem Jachthafen 20 km nordoestlich von Sousse, ist der Geburtsort von Habib Bouruiba. Sein Grabmal, Mausoleum ist eine Pilgerstätte für politisch interessierte Zeitgenossen.

Allenthalben vorhandene Golfplaetze, Tenniscourts helfen die Zeit zu vertreiben und sportlich aktiv zu sein.

 

Tunesien im März 2015, ein Land mit Problemen und in einer Zeit des Wandels.

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